Projekt Waldstaudenroggen

Eine neue (alte) Kulturpflanze findet ihren Platz in der Schweizer Landwirtschaft

Beim heute beinahe in Vergessenheit geratenen Waldstaudenroggen handelt es sich um eine Kulturpflanze mit Pro Specia Rara-Status. Das Korn wird auch als Urroggen oder „Johannisroggen“ bezeichnet. Er ist anspruchslos, krankheitsresistent und geeignet für den Anbau auf Parzellen mit relativ geringem natürlichem Bodenfruchtbarkeitspotential. Der Waldstaudenroggen hat die Fähigkeit den gelockerten Boden schnell zu durchwurzeln, stabilisiert den Boden und macht ihn trag- und wasseraufnahmefähig. Der Waldstaudenroggen ergänzt die Palette der „Urgetreide“ wie Emmer, Dinkel und Einkorn. Dani Böhler baut den Waldstaudenroggen seit vier Jahren an. Mit der Ernte im Jahre 2019 auf seinem Demeterhof in Mellikon konnten einerseits Saatgut wie auch Körner für die menschliche Ernährung aufbereitet werden. Das Projekt Waldstaudenroggen wird seit 2019 durch das Programm AgrIQnet gefördert.

Saatgut

Nach erfolgreicher Reinigung und Saatgutprüfung bei der Agroscope Reckenholz konnten je 125kg Saatgut an die beiden Bio-Betriebe Stefan Lutz in Widen sowie an Franziska und Clemens Meyer in Birmenstorf ausgeliefert werden. Zusammen mit dem Betrieb Böhler beträgt die ausgesäte Waldstaudenroggenfläche ca. 3,7 Hektaren im Jahr 2020. Weitere 250kg Saatgut sind reserviert für die Aussaat um den Johannistag am 24. Juni 2020. Dafür werden noch 2 Bio-Betriebe gesucht, die den Waldstaudenroggen im Sommer / Herbst 2020 für die Grünfutternutzung eingrasen oder silieren und im darauffolgenden Jahr dreschen für die Körnernutzung. Bevorzugt wären Bio-Betriebe in einem Nitratgebiet oder im Fricktal.

Körner für die menschliche Ernährung

Dank der innovativen Fredy’s Bäckerei in Baden konnte ein regionaler Verarbeiter für den Waldstaudenroggen gewonnen werden. Die gebackenen Brötchen mit Waldstaudenroggen können im Detailhandel gekauft werden. Die Neuhofbäckerei in Schlieren stellt ein Sauerteigbrot nur mit Waldstaudenroggen her. Ein weiteres Produkt ist der Waldstaudenroggen-Risotto. Der Waldstaudenroggen wird „poliert“ und kann auf diese Weise wie herkömmlicher Risotto gekocht werden. Der Risotto findet sehr guten Anklang bei Gastronomen, Hofläden und Verarbeitungsbetrieben.
Der Absatz vom Waldstaudenroggen war sehr erfreulich verlaufen, sodass der grösste Teil der Ernte 2019 schon vermarktet ist. Nun steht der Anbau, die Betreuung der Produzenten, die Aussaat um Johanni sowie die Ernte, Reinigung und die Gespräche mit Verarbeitern und Detaillisten der Ernte 2020 im Zentrum.